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Samstag, 4. September 2010
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Die Bahá'í-Religion in Frage & Antwort
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| Was heisst Bahá'í ? | Der Bahá'í-Glaube ist eine Weltreligion. Das Wort "Bahá'í" ist arabisch; "Bahá" bedeutet "Glanz" oder "Herrlichkeit", und die Anhänger dieser Religion, bzw. ihres Stifters Bahá'u'lláh nennen sich Bahá'í, so wie die Anhänger Christi sich Christen nennen. Der Name Bahá'u'lláh bedeutet "Herrlichkeit Gottes" |
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| Wie ist diese Religion entstanden ? | Die Bahá’í-Religion hat ihren Ursprung in Persien im Jahre 1844. Ihre Entstehung kreist um vier zentrale Gestalten. Die erste ist der Kaufmann Mirzá ‘Alí-Muhammad (1819-1850), der sich Báb, d.h. "das Tor", nannte. Mit dieser Bezeichnung hob er den Hauptzweck seiner Mission hervor: den Weg zu bereiten. In seinen Lehren verkündete er, nach seinem Hinscheiden werde der Erzieher der ganzen Menschheit erscheinen. Nach sechs Jahren starb er am 9. Juli 1850 den Märtyrertod.
Die eigentliche Zentralgestalt ist Bahá’u’lláh (1817-1892), dessen Geburtsname Mirzá Husayn ‘Alí war. Er erklärte im Jahre 1863 öffentlich, der in allen heiligen Büchern Verheissene zu sein. In ihm sehen die Bahá’í die Verkörperung der Prophezeiungen, auch die Wiederkunft Christi "in der Herrlichkeit des Vaters".
An dritter Stelle ist Abbás Effendi (1844-1921) zu nennen, der älteste Sohn Bahá’u’lláhs, der den Titel "Abdu'l-Bahá" ("Diener Bahá’u’lláhs") annahm. Mit neun Jahren wurde er zusammen mit seinem Vater verbannt. Nach mehr als fünfzig Jahren aus der Gefangenschaft entlassen, unternahm er ausgedehnte Vortragsreisen nach Afrika, Europa und Nordamerika. Er lebte das Beispiel eines vollkommenen Bahá’í-Lebens und erläuterte die Lehren seines Vaters.
In seinem Testament ernannte er seinen Enkel Shoghi Effendi zum Hüter des Bahá’í-Glaubens, zum geistigen Oberhaupt der Bahá’í. Shoghi Effendi verschied 1957. Nach den Verfügungen in den Schriften Bahá’u’lláhs wurde das erste "Universale Haus der Gerechtigkeit" durch die nationalen Körperschaften, die sogenannten Nationalen Geistigen Räte aus allen Teilen der Welt gewählt. Diese höchste Verwaltungskörperschaft des Glaubens hat ihren Sitz in Haifa, Israel. |
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| Was heisst "fortschreitende Gottesoffenbarung" ? | Alle grossen Religionen der Welt lehren, dass es nur einen Gott gibt. Sie alle lehren, dass Anbetung, Liebe und Dienst für den einen Gott zu menschlichem Wohlbefinden führt.
Gott steht nicht im Wettbewerb mit sich selbst. Lampen (Religionsstifter) gibt es viele, aber das Licht ist nur eines. Jede Religion hat ihre Sommer-, Herbst- und Winterzeit. Dann wiederholt sich der Zyklus.
Die Bahá'í-Schriften lehren, dass die Offenbarung, welche Bahá’u’lláh brachte, die jüngste Offenbarung, aber nicht das endgültige Kapitel der von Gott offenbarten Lehren ist.
Deshalb verehren die Bahá'í aus ganzem Herzen auch die Religionsstifter früherer Offenbarungen und leben mit ihren Anhängern vertrauensvoll zusammen. |
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| Ist die Bahá'í-Religion eine Sekte des Islam ? | Kann das Christentum eine Sekte des Judentums genannt werden? Gottesoffenbarung ist fortschreitend. So entstand das Christentum in der jüdischen Gemeinde, aus jüdischen Wurzeln. Das gleiche gilt für den Bahá'i-Glauben und seine islamische Herkunft.
Heute sind Menschen aller religiösen Herkünfte Mitglieder der Bahá'í-Gemeinden und leben und arbeiten einträchtig zusammen. |
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| Wie steht die Bahá'í-Religion zum Christentum ? | Das Anliegen Bahá’u’lláhs ist das gleiche wie dasjenige Christi. Es ist dieselbe Grundlage. Beide sind geistige Frühlingszeiten und Zeiten seelenerfrischender Belebung und die Ursache der Erneuerung des Lebens der Menschheit.
Der Frühling dieses Jahres ist der gleiche wie der Frühling des letzten Jahres. Die Ursprünge und die Ziele sind die gleichen. Die Lehren Bahá’u’lláhs haben dieselben grundlegenden Prinzipien, aber sie sind der Stufe der bevorstehenden Reife der menschlichen Gesellschaft und den Erfordernissen unseres Zeitalters angepasst. |
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| Was sind die sozialen Aspekte des Bahá'í-Glaubens ? | "Es rühme sich nicht der, welcher sein Vaterland liebt, sondern der, welcher die Welt liebt."* Ein Bahá'í ist ein Weltbürger, sein Interesse gilt der Wohlfahrt der ganzen Menschheit.
"Ein wahrer Bahá’í strebt Tag und Nacht danach, auf dem Pfade menschlicher Vervollkommnung voranzuschreiten. Es ist sein sehnlichster Wunsch, so zu leben und so zu handeln, dass die Welt durch ihn bereichert und erleuchtet wird... Sein Lebensziel ist es, sich so zu verhalten, dass er zur Ursache dauernden Fortschritts wird."*
Arbeit, die im Geiste des Dienens getan wird, ist Gottesdienst.
Die Kinder beiderlei Geschlechts müssen die bestmögliche Erziehung geniessen, wofür letztlich die Gemeinschaft zu sorgen hat, wenn die Eltern diese Erziehung nicht aus eigenen Mitteln ermöglichen können.
Entwürdigende Armut wie auch unmässiger Reichtum müssen beseitigt werden.
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| Was sagt die Bahá'í-Religion über das Leben nach dem Tode ? | "Anzunehmen, dass der Geist nach dem Tode des Körpers zugrunde gehe, ist wie die Vorstellung, dass ein Vogel in einem Käfig umkäme, wenn der Käfig zerbrochen wird... Unser Körper ist dem Käfig, der Geist dem Vogel zu vergleichen... Wenn daher der Käfig zerbricht, wird der Vogel unversehrt weiterleben, seine Empfindungen werden sogar tiefer, seine Wahrnehmungen weiter, sein Glück grösser sein."*
Die Wirklichkeit des Menschen ist seine Seele, nicht sein Körper, und diese Wirklichkeit unterliegt nicht dem Gesetz der Zusammensetzung und der Auflösung. Der Mensch sollte sich stets als lebend, stets als fortschreitend betrachten, weil die Seele nicht stirbt.
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| Wie werden die Bahá'í-Lehren verbreitet ? | Da es in der Bahá’í-Religion keine beruflichen Geistlichen oder Lehrer gibt, lehrt jeder Gläubige durch sein Vorbild und verbreitet die Botschaft gemäss seinen Fähigkeiten und in Zusammenarbeit mit den zuständigen Institutionen.
In diesem Zeitalter, da immer mehr Menschen auf der Welt in den Genuss von Erziehung und Bildung kommen, wird eine berufliche Geistlichkeit, ehemals die einzige Quelle religiöser Belehrung und Auslegung, unnötig. |
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| Was ist die geistige Grundlage des Bahá'í-Lebens ? | Vertrauen auf Gott zu allen Zeiten und unter allen Umständen.
Verbindlich sind auch tägliches Gebet, tägliches Schriftenstudium (mindestens einen Satz), die Pilgerreise, das 19-tägige Fasten pro Jahr und Dienstbarkeit für die Menschheit. |
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| Wie sehen die Bahá'í die Zukunft ? | Die Bahá’í glauben an eine sehr positive Zukunft der Menschheit. "Diese verderblichen Kriege werden vergehen und der Grösste Friede wird kommen."*
"In diesem wunderbaren Zyklus aber wird die Erde verwandelt und die Welt der Menschheit mit Frieden und Schönheit geschmückt... Die Starken und die Schwachen, die Reichen und die Armen, die streitenden Sekten und die verfeindeten Nationen, die dem Wolf und dem Lamm... gleichen, werden in grösster Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit und Unparteilichkeit zusammenwirken."*
"Nationale Rivalität, Hass und Intrigen werden aufhören, Feindseligkeiten und Rassenvorurteile werden durch Freundschaft, Verständigung und Zusammenarbeit ersetzt werden. Die Ursachen religiöser Zwistigkeit werden für immer aus dem Wege geräumt werden; wirtschaftliche Schranken und Hindernisse werden völlig beseitigt, der masslose Klassenunterschied verwischt werden... Ein Weltbundsystem, das die ganze Erde beherrscht und unanfechtbare Amtsgewalt über ihre unvorstellbar grossen Hilfsquellen hat, ... dessen Leben von der allumfassenden Anerkennung eines Gottes und vom Gehorsam gegen eine gemeinsame Offenbarung getragen ist — dies ist das Ziel, dem die Menschheit, durch die vereinenden Lebenskräfte angetrieben, zustrebt."*
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